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Autoren sind auch nur Menschen

Kontakt zum Autor zu haben ist schön, aber denkt immer dran, Autoren sind auch nur Menschen, die Arbeiten und ein Privatleben haben.

Manchmal, wenn ich mich in der Bloggerwelt so umsehe, kann ich nur noch den Kopf schütteln. Mimimi hier und Mimimi da. Vorzugsweise auf Kosten der Autoren. Bei HerzdeinBuch gibt es bereits einen ähnlichen Artikel über das große Jammern der Buchblogger.

Das fängt bereits bei ganz banalen Dingen an wie beispielsweise der Verkündung neuer Lesungstermine. Sofort geht es los: „Wieso nicht in meiner Stadt?“ – „Mimimi, kommt doch auch mal zu mir.“ – „Och nö, wieso muss ich denn Eintritt zahlen.“
Aber da hört es noch lange nicht auf. Weil Klaudia in ihrem Post bereits gut darauf eingeht, widme ich mich dem Social Media Thema. Mal wieder. Ihr seht, darüber kann man immer sprechen.

„Autor XY gefällt deinen Beitrag.“

Viele Buchblogger kennen diese Meldung auf Facebook in ähnlichem Wortlaut. Andere wiederum sind enttäuscht, weil sie sie trotz Verlinkung des Autors in ihrer geteilten Rezi nicht bekommen.

Natürlich ist es irgendwo ein wenig ärgerlich, wenn keine Reaktion auf die Social Media Beiträge oder die geposteten Rezensionen kommt, obwohl man sich die Mühe einer Rezension gemacht hat und seine Begeisterung oder Kritik teilen will. Besonders, wenn man besagten Autor extra verlinkt hat, damit er es auf jeden Fall sieht, und man doch auch genau weiß, dass derjenige sich viel im Social Media Netzwerk rumtreibt. Vielleicht sogar jetzt gerade auch!

Aber wir sollten als Blogger eben eines nicht vergessen:

Autoren sind Menschen wie wir!

Sie haben ein Privatleben, einen Job und im besten Falle auch Freizeit. Für manche ist das Schreiben sogar nur ein kleiner Nebenverdienst, dann hat man sogar zwei Jobs zu bewältigen. Aber egal wie vielen Tätigkeiten man nachgeht oder nicht: Alles kostet Zeit.
Man will sich (und seine Familie) ernähren, dem Schreiben nachgehen – und allem, was damit einhergeht natürlich ebenso, ein Buch entsteht nicht von allein – und man will Zeit mit den Liebsten verbringen. Egal ob das Menschen, Katzen oder Kissen sind. Zwischendurch isst und schläft man noch und befriedigt, was immer der Mensch noch so an Grundbedürfnissen hat.

Und zwischen all diesen Dingen, die jeder von uns selbst in ähnlicher Form Tag für Tag bewältigt, treibt man sich noch auf Facebook rum. Manchmal vielleicht sogar mehr als man sollte, das geht schnell.

Gerade große Autoren werden mit Sicherheit ziemlich häufig in irgendwelchen Posts erwähnt und ihre Postfächer quillen über. Das braucht erstens seine Zeit, bis man da alles beantwortet und auf alles reagiert, und zweitens geht so auch schnell mal eine Markierung unter, weil man sie in der Messe nicht sieht oder man schlichtweg nicht die nötige Zeit hat, um sich alles anzusehen.

Böses Facebook

Jeder hat so seine Problemchen mit der Plattform. Egal ob Blogger, Autor, Verlag oder Leser. Jeder weiß eigentlich, dass hin und wieder einfach Benachrichtigungen unterschlagen werden oder die Reichweite mal wieder in den Keller sinkt oder Facebook sich etwas neues ausdenkt um uns arme, arme User zu ärgern.

In vielen Fällen ist es kein böser Wille des Autors, dass er oder sie nicht auf eure Rezensionen reagieren. Wie ihr seht, kann das viele Gründe haben. Da bringt es auch rein gar nichts, über die bösen, bösen Autoren zu schimpfen, die einen armen, kleinen Blogger ignorieren.
So ist das eben.
Keiner kann alles und zur selben Zeit an drei verschiedenen Orten fünfzig verschiedene Dinge tun.

Aufgeben?

Nein, auf keinen Fall. Auch wenn ein Autor vielleicht nicht alles sieht, lasst euch gesagt sein, man freut sich über jede Rezension oder Werbung auf den Blogs.

Natürlich, ich war auch schon enttäuscht, wenn ich einem Autor unbedingt zeigen wollte, wie sehr ich das neuste Werk liebe, und dann kommt keine Reaktion.
Aber deswegen rumjammern und motzen? Das bringt nichts und führt höchstens vielleicht zu gereizter Stimmung bei Autoren, von denen die meisten doch so gut wie alles für ihre Leser/Follower tun würden.

„Kann man nicht mal Autoren aufmerksam machen, dass sie öfter auf Buchblogs stöbern sollen?“

Nein. Eigentlich nicht.
Kann man schon, aber ich persönlich denke nicht, dass man damit großen Erfolg haben wird.

Wie schon gesagt, Autoren haben auch nicht alle Zeit der Welt. Schließlich haben sie im Normalfall auch noch ein Leben abseits von Social Media und Schreibwahn.

Und wer sagt uns, dass die Autoren nicht längst schon regelmäßig auf Buchblogs stöbern? Inzwischen gibt es sie doch wie Sand am Meer, sodass das nicht auffallen würde.
Wir Blogger können doch auch nicht jeden Tag oder jede Woche auf alle über 1000 existierenden Buchblogs vorbeischauen, warum also sollten die Autoren das können?


Freut euch also daran, wenn ein Autor sich für euch Zeit genommen hat, und jammert nicht rum, wenn es mal nicht in seinen Zeitplan passt. Denn – ich wiederhole mich jetzt schon wieder – Autoren sind auch nur Menschen wie du und ich.

Seid lieber froh, dass sie stetig für neuen Lesestoff in euren Regalen sorgen und all ihre wunderbaren Geschichten auf Papier bringen. Stellt euch nur mal vor, ein Autor würde all seine Zeit auf Facebook verbringen. Unsere Stapel ungelesener Bücher würden schrumpfen bis sie nicht mehr existieren. Dann wäre das Gejammer wieder groß, weil wir nichts mehr zu lesen haben.

7 Kommentare

  • Raven

    Hallo, freut mich, dass dir der Beitrag gefällt.

    Ich verlinke meistens die Autoren- oder Verlagsseiten, um interessierten Lesern die Chance zu geben, den Autor zu finden und sich bei ihm oder ihr umzusehen. Gab auch schon Momente, in denen ich es einfach vergessen hab.

    Aber wie gesagt, ich freue mich immer, wenn was kommt. Egal, wie groß die Reaktion ist. Aber ich erwarte keine. Auch wenn die meisten Autoeen sich ja über Feedback freuen und durchs Verlinken eben auch auf solches aufmerksam werden können, wenn Facebook nicht alles anzeigt.

    Liebe Grüße
    Raven

  • Frau Schreibseele

    Ein schöner Beitrag, vielen Dank dafür.

    Die Leute, die darüber meckern, dass Autor*innen sich nicht immer melden oder zumindest den Beitrag liken, sollten sich einfach mal fragen, wie sie in dieser Situation reagieren würden. Bei einigen kann ich mir gut und gerne vorstellen, dass sie nicht nur ein oder zwei Mal verlinkt werden, sondern ein- oder zweihundert Mal. Und das alles abzuarbeiten, da haben wir es schon fast mit einem Vollzeitjob zu tun.

    Und manchmal dauert es eben auch. Letztens hab ich auf Twitter einen Comicbuchzeichner erwähnt (NICHT verlinkt). Etwa eine Woche später hat er scheinbar meinen Tweet entdeckt und geliked. Ganz unter uns, ich hab ihn absichtlich nicht mit einem Link angesprochen, weil ich ihn "in Ruhe" lassen wollte. Dass er trotzdem auf dem Beitrag gestoßen ist (wie auch immer), hat mich sehr gefreut. Erwartet hab ich es aber nicht.

    Vielleicht sollte man es auch so angehen. Ich freue mich, wenn Du mich likest, aber ich erwarte es nicht. Ersparrt viele Enttäuschungen und man freut sich doppelt, wenn es doch klappt 🙂

  • diebuechertraeumerin

    Wunderbar zusammengefasst! Bei mir war es eher andersrum: Ich habe den Mund gar nicht mehr zu bekommen, als mir eine Autorin für meine Rezension auf Lovelybooks gedankt hat! Das ist dann einer der wundervollen Momente, die mich in meinem Bloggerdasein bestärken und mich ermutigen. Wenn das mal nicht so ist, werte ich das als normal. Es ist auch nicht jeder Autor auf jedem Sozialen Netzwerk angemeldet. Es wäre einfach zu viel! Manche mögen Facebook nicht. Und manche müssen, wie gesagt, noch einem „normalen“ Job nachgehen.

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